Nichts ersetzt die Beobachtung am echten Arbeitsplatz. Wir zählen Schritte, messen Wartezeiten, hören Kundinnen zu und notieren, wo Gespräche stocken. Statt Schuldige zu suchen, markieren wir Reibungsstellen. Ein Spätschicht-Team zeigte, wie Wege zwischen Kühlung und Kasse Minuten kosten. Einmal sichtbar, lassen sich diese Minuten systematisch zurückholen. Fotos, kurze Zeitstempel und einfache Skizzen reichen. Ziel ist ein gemeinsames Bild der Realität, auf dem die eine Seite aufbaut und das alle wiedererkennen.
Die beste Seite entsteht nicht im stillen Kämmerlein, sondern mit den Menschen, die sie nutzen. Wir schreiben auf Post-its, ordnen Abfolgen, testen Formulierungen laut. Ein Monteur bestand auf einem Symbol für Sicherheitshandschuhe, weil Worte im Lärm untergehen. Eine Verkäuferin kürzte drei Sätze auf zwei Verben, damit sie nebenbei gelesen werden können. Beteiligung erzeugt Akzeptanz, Stolz und Verantwortung. Das Team wird Mitautor und damit zum Hüter der Qualität im täglichen Betrieb.
Bevor etwas final laminiert wird, muss es im Alltag bestehen. Eine Pilotwoche bringt ehrliches Feedback: Was wurde übersehen, wo sind Schritte unklar, welcher Begriff verwirrt. Wir markieren Stolperpunkte mit kleinen Punkten, zählen Rückfragen und passen an. In einem kleinen Markt wurde die Reihenfolge beim Wareneingang gedreht, weil Lieferungen häufig verspätet waren. Nach zwei Iterationen passte alles in den Takt des Teams. Erst dann wird gedruckt, platziert und kurz geschult.